Musik![]() Das ist kein Duo, das ist eine Sammlung, vereint durch Bach. Vielleicht hat Gould etwas von Lipatti gewusst; "sein" Bach ist 1955 aufgenommen, Lipattis in dessen Todesjahr 1950. Was Lipatti Klavierarbeit so strahlend, so kristallin, so perlend machte war sein großes Geheimnis, eingebettet in einer wohl liebenswürdigen, liebenswerten Persönlichkeit. Er bot seine Fähigkeit (Genie?) an, gab viel Raum, viel Luft zum Denken, viel Glück und Freude. Seine aussergewöhnliche Technik wird liebevoll -wie spielerisch- angeboten. Gould in seiner Pflicht zur Ordnung, eher streng -wie schlecht gelaunt und rechthaberisch- seine Tempi, sein Spiel, dulden keinen Widerspruch. Im Moment ist es so wie er es macht. Nachdenk- lichkeit, Struktur kommen auf, nicht Freude. ![]() Gould in Moskau Gould spielt in Moskau vor Studenten Berg, Webern, Krenek und Bach. Er erklärt einiges, diskutiert, der Übersetzer schnarrt eilig. Gould trägt atemberaubend trocken und wie absolut modern (was immer das ist) das fast sperrige Musikgut vor. Aber jeder Ton sitzt, schafft Platz für das Fortschreiten des Hörprozesses (vor allem bei Webern). Bei Krenek kommt Unruhe auf. Souveränes Agieren von Gould. Welten bewegen sich, Unordnungen wollen entstehen, er ordnet alles durch, glasklar. Meisterlich. Danach aus "Die Kunst der Fuge" und aus "Goldberg Variationen". Schlußsteine. Applaus. //04-2010//
![]() Früher war Rubinstein mir der Interpret von Chopin. Jetzt vor kurzem wieder gehört. Durch die "Schulung" Goulds hörte ich plötzlich den verschwenderischen Pedaleinsatz. Dann Lipatti! Welche überragende Technik, welcher Geschmack, welche Qualität! Auf der Höhe seiner Möglichkeiten. Und das im Todesjahr, schwerst gezeichnet von der Leukämie, die er meinte mit Cortison bekämpfen zu können.. Meine Empfehlung, wenn Sie das Klavier singen hören wollen, kaufen Sie die CD. Kam 2009 auf den Markt (was heisst Markt, zu uns!). //03-2010// Conlon Nancarrow (1912-1997). Eine gute Website unter [nancarrow.de] gibt es. Komponist für programmiertes Klavier. Seine Werke nannte er study und nummerierte sie. Spät wurde er bekannt. Seine Musik ist sperrig und nicht leicht hörbar. Anfangs will man nur das Gerät hören, sein präpariertes Klavier: Die Musik daraus ist rasend schnell, unspielbar auch für 2 Pianisten; es ist die Technik die den Virtuosen in die Schranken weist. Nach mehrmaligen Hin- und Hineinhören erkennt mann Systeme, Formen, Tempi, Rhythmen. Und alles ohne das zukleisternde Pedal: Es zirpt, es knistert, es hämmert, es rauscht! //02-2010// Eine sehr gute Empfehlung: Früher im Raum Wien nur per UKW-Radio, nun schon einige Zeit im Netz: RADIO STEPHANSDOM Die Website [radiostephansdom.at], der klassische Radiosender aus Wien. Es kommt recht wenig kirchlicher Beipack vor, ist passabel zu hören. Aber jede Menge nicht nur allgemeine Klassik! //01-2010// Zitat ORF: Mozart-Effekt bei Frühgeburten Mozart hören ist nicht nur ein akustischer Genuss. Manche Forscher glauben, dass seine Musik das Gehirn zu besseren Leistungen anregt und auch therapeutisch wirken kann. Einen besonderen Mozart-Effekt haben nun israelische Mediziner beobachtet: Die Klänge des Wiener Klassikers helfen Frühgeburten beim Wachsen. Zitatende //01-2010// Gestern und heute die vorliegenden Mozart Klaviersonaten (von Gould) so nebenbei laufen lassen. Furchtbar gut! Das ist Mozart aber ganz anders, Mozart technologisch und ohne Pedal! Kann ich nur jedem Mozartfreund empfehlen, siehe auch Harnoncourts Bemerkungen über den in seiner Jugend als Musiker herrschende süsslichen Mozartstil. Mozart war ein Mann, ein Kerl, und kein gepudertes Püppchen. //01-2010// Wie ein Nachtrag, ein Weiterdenken, Erinnern (höre dabei die angeblich unsäglich schlechte Interpretation der Mozart Sonate 11, K. 331, durch Gould). Der große Elvis, so lange er lebte konnte ich ihn nicht ausstehen, aushalten. Etwas Dunkles, das Unbewusste angreifend, war in seinem Vortrag. Dazu das laszive Benehmen, eine Art Hausmeister- Attitüde in seinem Vortrag; auf die Songs konnte ich nicht mehr hören, so lenkte mich der King ab und weg. Ganz anders Freddy Mercury, er repräsentierte das jüdisch-christliche Vorwärtsstreben, die Verherrlichung der Dynamik des Lebens. Da kann man nur JA sagen. Und immer wieder. Ein Tag nach dem Tod des King, das Fernsehen überschwemmte mit musikalischen Nachrufen die Welt, plötzlich furchtlos vor seiner Ausstrahlung, erkenne ich den großen Künstler und armen Menschen Elvis (später sah ich Dokus seiner Gospelarbeit...). Wie dumm und beschränkt war ich in seiner Zeit! Warum sich nur fürchten vor dem was er ausgemacht hatte? Er war der, der die Musik der Afroamerikaner in alle Welt gebracht hat, und mehr! Das gehört zwar nicht hierher: Die Diskussion Dutschke mit Dahrendorf. Brillant wohl, trotzdem fand ich Dutschke "shoking". Und heute: Der liebe brave und sehr gescheite idealistische Dutschke, hingerichtet vom kleinsten gemeinsamen Nenner! //12-2009// Höre Glenn Gould the young maverick, hier: Goldberg Variations, recorded 21.06.1954 (also die junge, sensationelle Einspielung, sein Weltdebut sozusagen). Aber ich will über Hermann Prey und Fischer-Dieskau nachdenken. Prey sah ich vor paar Tagen in einer abge- griffenen Weihnachtssendung aus den 70er Jahren, und was mir schon bei der "Toten Stadt" schmerzlich aufgefallen ist, er ist ein wunderbarer Sänger und Darsteller und ein -was immer- sicher ein guter Mensch gewesen. Was meine ich damit? Weil ich sein wie schmalziges Timbre Jahrzehnte gemieden habe und Fischer-Dieskau mein Interpret war (und ist)? Irgendwas ist in mir altersbedingt geschehen, plötzlich halte ich das wie gefühlvolle Darstellen des Prey aus, ich hungere danach. Und das ist nicht Sentimentalität (auch nicht schlecht), sondern es ist Preys Gefühl und Liebe zum Leben die ich plötzlich verstehe. Wohl stand er im Schatten Fischer-Dieskaus, aber nur dort wo man "Vergleichen" meinte. Seine köstliche Spielnatur, seine Opernstücke! unnachbar und vortrefflich, seine Liedkunst, wie passend in die Gesamtlage des Dichters und des Komponisten! Und plötzlich: Lipatti und Gould. Gould ist nicht lustig, nicht heiter. Es sind zwei Welten die kurz voneinander wussten. Fischer-Dieskau in YouTube 710 mal, Prey 473 mal. Hineinhören. Das Wunder hier: der größte Liedsänger und dort ein Sänger der gibt und gibt!! //12-2009// ![]() Es muss nicht gesagt werden was diese Aufnahme bedeutet. [...] arte 25.10.09: Lang Lang spielt Beethoven Kl.Konzert Nr.1, Dir. Eschenbach, Frankreich 2007. Eschenbach, ein ehemaliger Spitzenpianist, zeigt -wie viele ehemalige Pianisten- sehr viel an, aber insgesamt sehr gediegen und sauber. Lang Lang -bekanntlich technisch überragend- setzt einige Triller, manchmal fast verschwimmend, und ein bisschen (viel) Pedal. Lege aus der Sammlung "the young maverick" Gould auf die alte Anlage. Dir. Sir MacMillan. Die Aufnahme technisch eher schlecht, zum Glück hört man Gould gut heraus (Gould sehen in YouTube, dort noch auf einem richtigen Klavierhocker). Gould hält jederzeit neben / mit dem Fingerwunder Lang Lang mit. Sehr angenehm das Ausspielen jeder Note, eigentlich kein Pedal, fast staccato. Hält das Thema hervorragend durch, ohne virtuose Einlagen. Gould ist durch keinen Pianisten -in Summe- zu ersetzen! //10-2009// Habe mir Mozarts 5 Violin Concertos [Harnoncourt, Kremer, Kim Kashkashian, Wiener Philharmoniker] auf die Platte kopiert. Oh Mozart! Wenn die Ohren frei von der Hintergrundmusik sind, auch der die so im Radio -oft mit Grabesstimme wegen der Wichtigkeit- angesagt und oft in schlechter Qualität abgespielt wird, wenn man frei und etwas ruhig und etwas naiv hellhörig ist, dann Mozart. Und Mozart ist das Original für das Viele das angeblich auf ihn aufbaut. Diese Einspielung aus den 80er Jahren (muss ich sagen des vorigen Jahrhunderts?), sie ist makellos und alle sind auf der Höhe ihrer ausserordentlichen Möglichkeiten. Aber ich will was anderes sagen: Das Versteckte im Musikteil das trotz erbärmlicher technischer Qualität sofort zu hören ist (musste lachen, in der 3.CD von Clara Haskil ist ein Aufnahmefehler; ich habe die CD gekennzeichnet. Musste aber fast 10s hineinhören um zu erkennen das ist nicht Mozart durch Haskil sondern ein Fehler). Was ist durch die technische Beengung zu hören? Es ist wie unser Weltverständnis das bekanntlich 5sinnig aufgebaut und von uns dann je nach Verstand vernetzt und kommunikativ gemacht wird; bei der Konservenmusik haben wir nur das was erzeugt werden kann. Gut, ich und viele Ältere haben den Vorteil dass sie mit Mittelwelle, Mono und lächerlichen HiFi- Geräten aufgewachsen sind. Uns genügt ein Tonfetzen der unser Musikgedächtnis anspricht, es wird das Grausliche weggefiltert und wir versuchen zu verstehen was der Künstler durch die Nachschaffenden sagen will. Aber verstehen wir ihn? Oder sind das Relationen die um ihn kreisen, Mutmassungen über Absichten die nicht von unseren Standpunkt zu ergründen sind (klar, der Komponist der seine Musik erklären muss hat ein Problem). Die Karajan-Stiftung hat Untersuchungen -wie andere auch- gefördert um festzustellen ob in uns etwas wie eine Grundstruktur Musik angelegt ist. Analog zum Gestaltsehen gibt es offen- sichtlich Verknüpfungen die "verdrahtet" sind und die uns Musikteile zwingend (wieder)erkenn- bar machen. Dort wird wohl auch das "absolute" Gehör angesiedelt sein. Das kann im besten Fall bedeuten, dass wir Sinnteile der Musik erkennen können weil sie aus dem allgemeinen Baukasten stammen auf den der Komponist sich in all seiner Genialität bezieht, das ist tröstlich, denn wir wollen uns der Quelle nähern (Nebenbei: Hört man Mahler hört man auch Wagner und Bruckner mit, bei Bernstein hört man Mahler und auch Bruckner; es gibt sensationell herz- zereissende Themen die sind einfach in der Welt und werden gehoben, erhoben!). //10-2009// ![]() Auf den remasterten CDs steht 2009 drauf, die Aufnahmen sind von 1952 bis 1957. Zuerst der Versuch per PC mit hochwertiger Soundkarte und dazu passenden Lautsprechern, das ist nicht möglich. Die Remasterung hat eine Frequenzverschiebung nach oben verursacht, alles klingt eher grell und wie heiser. Abspielung nun in einer 30Jahre alten Anlage und oh Wunder! Es ist alles da! Habe noch keinen Überblick über Ihr Schaffen. Non legato, das ist klar, temperamentvoll, spritzig sprühend und keine Mozart-Noblesse. Und tolle Dirigenten, viel Fricsay!! Nachtrag nach stundenlangem Hineinhören: Eigentlich egal wer dirigiert, Clara Haskil ist die Sensation. Unwichtig von einem "männlichen" Anschlag, einem wie brutalen, bedingungslosen Zugriff zu berichten, sie ist körperlos geschlechtslos und zeigt auf einen Mozart (so wie er sich selbst gesehen hat, als einen Musikmacher). Da ist nichts süsslich, kein Rokoko, nichts swingt da, nichts schluchzt und wieselt da vor sich hin. Sie spielt jede Note als wärs die einzige. Ihre Technik ist wie grenzenlos, sie entwickelt die Stücke wie unterfordert, sie ist unendlich und das life! Noch ein Nachtrag weil ich in YouTube auf die Toccate E minor BWV 914 gestossen bin. Clara Haskil entwickelt sie kraftvoll, im letzten Drittel werden Tempo und Ausdruck schwankend, wie sprechend, was wollte sie bloss sagen? Vergleich: Angela Hewitt arbeitet die Toccata um fast 2 Minuten kürzer ab; schnell ist sie, aber nicht kristallklar und konsequent. Nun dann Gould. Er geht das zart, duftig luftig an (man müsste sich fast die Augen reiben vor Erstaunen). Dann das letzte Drittel: Der Maschinenmensch Gould spielt unvergleichlich Bach. Was er mit diesen Teil sagen will ist zu hören, nichts mehr. Er kommt ans Ende und ich frage mich wer (vielleicht Bach am Cembalo selbst) hat das so entwickeln können? Große gute Clara Haskil. //10-2009// Habe nun die noch nicht fertig digitalisierte Platte ARRAU, HAITINK: BRAHMS 1.Klavierkonzert abgehört und danach die Einspielung von GOULD und BERNSTEIN. Erste sprüht vor Temperament, flirrend die Tonspitzen, ein bestens disponierter ARRAU (bereits über 60) heraus perlend das unvergleichliche Stück Klavierliteratur; manchmal geht seine Arbeit im Orchesterklang unter, wohl eine Aufnahmeeigenschaft die fast unerwünscht ist. GOULD und BERNSTEIN! BERNSTEIN bringt diesen BRAHMS wie einen Beethoven, wohl zähneknirschend, weil GOULD das so wollte. Und der überhaupt das Werk einem BRAHMS unterstellt der zutiefst getroffen und doch treu und fest und eisern seine Aussage machen muss; ein nichtmal Mitte Zwanzig alter Komponist, von der Liebe seines Lebens für immer gebunden: die Frau des verehrten Meisters. Als nun Schumann endlich erlöst ist, kann sie ihn nicht erhören. Das bleibt so, die Jahrzehnte lang bis zum Schluss. Meinte das GOULD, indem er BERNSTEIN zwang wuchtig und zögerlich zu arbeiten? GOULD spielt wie ein alter Mann (und ist keine dreissig Jahre alt), dann das Aufflackern seiner ausserordentlichen Virtuosität und wieder zähes Abarbeiten. Selbst- verständlich dominiert GOULD das Orchester und den frustrierten Dirigenten, gegen Ende des Rondos eine furchtbar lange Pause, atemberaubend. //10-2009// Vergleichen und Hineinhören: BRAHMS Alt-Rhapsodie op.53, vorgetragen von Kathleen Ferrier und Christa Ludwig. Eigentlich unvergleichbar. Das Werk und die Singstimme: Es ist berauschend und doch bedrückend, nicht nur durch den Text. Und doch, seltsam, die große Christa Ludwig, die aussergewöhnliche Opernarbeit geleistet hat, legt hier den Ausdruck hinauf in frische Höhen, fast schon ein kleiner Registerwechsel, herrlich auch die wunderbare, hier fast liebliche, Brigitte Fassbaender; Kathleen Ferrier bleibt stimmlich wie in einem Rahmen, sie ergibt sich nicht der Freude, ein beklemmendes Innehalten, ein dunkles Innehalten, wie Warten. //08-2009//
Kathleen Ferrier, geboren am 22. April 1912 in Higher Walton, Lancashire. Gestorben am 8. Oktober 1953 in London. Englische Altistin. Lesen Sie nach, es gibt viele Bios im Netz. Besorgen Sie sich CDs oder gar Platten. Sie ist eine echte Altistin, kein herabgezwungener Mezzo. Was kann man noch sagen. Der Tod hat sie viel zu früh geholt. Lesen Sie nach! //08-2009// Nachtrag zu Lipatti und Gould, dabei lasse ich die Gulda Mozart tapes laufen. Ein Jammer dass ich von ihm keine Sonata No 8 greifbar habe nur tapes II, die er auch nicht veröffentlicht hat; nur Hineinhören in kleine Musikfetzen: Sehr beachtlich! Sehr beachtlich! Die tapes liess er ja liegen, war nicht zufrieden damit... Zur Sonata No 8 hörte ich bei Richter, Eschenbach und Horowitz hinein. Letzer leider im fortgeschrittenem Alter, daher maniriert und in den langsamen Teilen noch langsamer... Eschenbach beachtlich, etwas verschliffen, sehr wechselndes Atmen, Richter live 1956 auf YouTube. Er hat selbst über seinen Problem-Mozart gesprochen, trotzdem hervor- ragend. Leider gibt es wohl keine No 8 von Arrau, von Haskil habe ich auch nichts gefunden. Nochmals Lipatti und Gould gehört: Der 3.Teil presto, nun virtuoser geht es wohl nicht mehr als bei Gould ohne ratterndes Wunderkindgehabe aus dem asiatischen Raum. Also Lipatti, er zwingt Mozart sein Atmen auf! wie Gould Bach! Ein Wunder. Ist das Mozart? Kann man soviel Unterscheidendes in ein kleineres Werk hineinlegen, heraus arbeiten? Mozart! //08-2009// Dinu Lipatti vs Glenn Gould mit Mozart Piano Sonata No 8. Vorweg: Lipatti stellt das dar wie man sich Mozart vorstellt: Wunderbar, voller Gedankentiefe und mit viel Gefühl für die Welt und technisch brillant. Was macht Gould aus Mozart? Er ratscht den 1.Satz runter mit benebelnder Hurtigkeit (hier hilft ihm wohl auch sein Studio). Der 2.Satz etwas eher lähmend, sehr geschmackvoll und gut. Der 3.Satz mit Lipatti vergleichbar, technisch brillanter aber es ist kein "Seelenleben" spürbar. Was nun? Gould und Mozart? Oder Lipatti interpretiert einen Mozart den es nie gegeben hat in den Akademien; hat Mozart als Virtuose mehr überzeugt, überzeugen müssen? Ist Gould näher an den (auch!) Maschinenmenschen Mozart weil er wie eiskalt die vielen Virtuosteile so gibt wie man (damals) das hören wollte, zwischen dem allgemeinen Gequatsche und aller Unaufmerksamkeit und bei mancher Verwehung durch den Wind wenn ein Gartenfest? //08-2009// Anlässlich der Salzburger Festspiele Bruckners 6te live gehört. Erinnerte mich nicht an Eugen Jochum aber immerhin es war unverkennbar Bruckner (Wiener Philharmoniker). Wenn Bruckner die verachtungsvolle Haltung von Wagner (angeboren) gehabt hätte, wäre er nicht vor dem Mittelmass gekrochen und den Herrn Kritikern und dem Publikum es recht zu machen. Bruckner wurde nicht wie Wagner vom Schicksal hoheitlich geführt, er hätte allen Grund und Anspruch dazu gehabt, er wurde durch seine Frömmigkeit oft Sklave einer banalen Gesellschaft. Hineinhören in Bruckner: Wie anders hätte er auf den Druck der Gesellschaft reagieren können? Vordergründig hatte er Skrupel und überarbeitete dauernd. Aber im Werk: Da ist er frech, kaum verhüllt und großartig im Zusammenhalt riesiger Themenbögen. Hier leben konnte er in seinem Werk, die Haltung Wagners war ihm versagt. Er kniete vor Meister Wagner, der nahm das an und dachte (besser für ihn) nicht nach über das symphonische Werk des Anbeters. Hineinhören in Bruckner: Ausserordentliches und freches Schaffen, versteckt hinter einer biederen Frömmigkeit, kein titanenhaftes Gehabe und Rasen eines Beethoven; Bruckner brauchte sich für seinen Gott nicht verstellen, sein Werk war seinem Gott geweiht und es umfasst weltweit das Denken an das Leben. Was auch Exegeten in sein Werk hineindachten: Seine Themen, Zitate, versteckten Widmungen, sie sind auch da ohne dir Erkenntnis einer Herführung von Irgendwo, er war nicht nur der von Pfaffen verzogene, Zerstörte wie Brahms meinte, er war sensationell frei in seinem Werk! //08-2009//02-2010 GRIEG Piano Concerto in A Minor, OP.16. Am Klavier: Dinu Lipatti. Versuche zu vergleichen mit Richter und Rubinstein. Rubinstein -schon hochbetagt- sehr nahe, fein und delikat, die Kraft die Richter bis zuletzt hatte oder der allzu junge Lipatti, die war nicht mehr da. Aber welche Qualität, welcher Geschmack welche Weltbildung! Richter wie immer exzellent; vorzüglich, mitreissend! Lipatti wie kerngesund und dynamisch, technisch ausserordentlich, ohne Getöse, und dann in den feinen kristallinen, perlensprühenden Passagen unerreichbar deliziös, parfümiert mit erfrischend ins Helle weisenden Duft. //07-2009// ![]() Die Rückseite eines äusserst preiswerten 10 CD-SETs vom formidablen Verlag zweitausendeins.de. Britten wird in unseren Breiten unterschätzt, vielleicht auch weil man den schenkelklopfenden Takt nicht dazu schlagen kann. Schon lange wollte ich auf die empfehlenswerte Website [tamino-klassikforum.at] hinweisen. Zum Teil sind Profis da im Gespräch; zusätzlich eine Fülle von Informationen. //07-2009//
Nachtrag Dinu Lipatti: Habe mir in Wien 2 CDs besorgt: Einmal Mozart K.467, Schumann Op.54; interessant dass auf dem abgebildetem Original-Platten-Cover der CD der Name des Pianisten 3x so groß ist als der von Karajan. Ferner eine CD mit "The Complete 1947 UK Columbia Recordings", darunter Scarlatti, Bach, Chopin, Liszt und Griegs Klavierkonzert Op.16. //07-2009// In YouTube Dinu Lipatti gehört. Es ist wie untröstlich seine Existenz, sein Leuchten, sein kurzes Verweilen und mit 33 durch Morbus Hodgkin weggenommen aus unserer grauen Welt. Schumann Klavierkonzert Op.54 und Mozart Klavierkonzert K.467, beide unter Karajan: Es wurde vom "Künstler von göttlicher Geistigkeit" gesprochen (W.Lempfried), ich glaube nicht dass es das ist. Es ist der Grundpuls in ihm, wie bei Gould; er zieht das Orchester zu sich hinein, die Musik um ihn zögert, lauscht, ist trotz Karajan nur Überbringer, er arbeitet extrem sauber und zart und fast "swingend" das Thema ab. Was er macht ist so schön und es ist zufriedenstellend, befriedend, sehr befriedend! //07-2009// Wenn das alles fest ist und als Kindergeschmack das ganze Leben führt, was ist das? Mozart, wohl zuerst die Kleine Nachtmusik und dann im Radio, Mono und auf Mittelwelle diverse Wunsch- konzerte, einige Ausschnitte aus Mozartopern; bombastischer Beethoven. Mahler gabs damals nicht.. Strauss, das "Wiener" Stück, Der Rosenkavalier, ja das hat mir gefallen wenn die Damen zusammen sangen. Rossini, ja. Dann Schallplatten hören zuhause: Rudolf Schock, der Operettenstar, Rene Kollo, der Operettenstar. Habe ich was versäumt? Und wie! Dann Fischer-Dieskau! Ein ganzes Leben verehre ich diesen großen Gestalter. Prey, leider in seinem Schatten; irgendwie war mir sein "Schluchzen" in der Stimme unangenehm. Und Heute? Welch ein Sängerdarsteller! Ich will nicht alles aufzählen. Und endlich als Halbwüchsiger in der Staatsoper: Mathis und Palestrina entsetzten und verzückten mich im tiefen Glauben an das Gute, Richtige. Und dann das erste Mal den Rosenkavalier in der Oper! Wer war die Marschallin? Der Ochs? Alles vorbei. Und doch das Superbe, Fatalistische, Verbrauchte, Wissende, Skeptisch-Lustige! Das ist mir geblieben, jederzeit abrufbar. Mozart? Ja weil er so leicht ist und so eingängig. Oder hat er das Leichte und Eingängige geschaffen? Ist das sein ABC, das vorher nicht in der Welt war; alle Welt sich auf ihn als ihr Eigenes bezieht, er aber ist der Weg und das Ziel zugleich. Woher kommen seine Melodien, seine Harmonien? Sie sind ange- boren in IHM und er hat sie mitgebracht und der mozartlosen Welt gegeben. Manche sagen Beethoven sei die Weiterentwicklung. Ich halte mich an Goethe, für den die Musik mit Mozart endete (armer Schubert) und der mit Zelter (den Musiker?) befreundet war und artig Herrn von Beethoven grüsste wenn er ihn in irgendeinem böhmischen Heilbad traf. Wo ist Brahms? Wo ist seine feine absteigende Linie, die sein aussichtsloses Lieben zur Clara so ergreifend anzeigt? Und Wagner? Wenn Genie, dann er (Unser Mozart ist göttlich). Die Welt ist so voll von Musik (auch von ihm den Kleinen, den Unglücklichen, den Michael Jackson). Höre eben Christa Ludwig im III.Akt Tristan und Isolde. Dirigent ist Otto Klemperer. Mein Klemperer! Mein Walter! Gibt es Grenzen, gibt es Festgelegtes, Unverbaubares, gibt es eine Harmonie der Welt die wir manchmal hören, die wir erhören, die uns manchmal erlaubt sie zu erhören? //06-2009// Ich habe mich wieder gequält und an den lieben Stefan Zweig gedacht. War in der Staatsoper, 3 Tage vor der Sommerpause: Die schweigsame Frau von Richard Strauss, Libretto frei nach Ben Johnsen von Stefan Zweig. Man kann in q* suchen textbuch schweigsame frau 326 Sites und briefwechsel zweig strauss 52100 Sites und lesen und lesen. Im Textbuch (© 1994 Fürstner Musikverlag GmbH, Mainz): LETZTE SZENE Der Barbier hat die Tür hinter sich geschlossen, es ist vollkommen still geworden. Morosus mit Aminta und Henry allein an dem Tische. MOROSUS strahlend beglückt sich in den Sessel zurücklehnend: Wie schön ist doch die Musik - aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist! Er trinkt behaglich ein Glas Wein und blickt Aminta lange an: Wie wunderbar ist doch eine junge, schweigsame Frau, aber wie wunderbar erst, wenn sie die Frau eines andern bleibt! Wie schön ist doch das Leben, aber wie schön erst, wenn man kein Narr ist und es zu leben weiss! Ah, meine Guten, grossartig habt ihr mich kuriert, noch nie hab ich so glücklich mich gefühlt... Er zündet sich eine Pfeife an und bläst behaglich den Rauch vor sich hin: Ach, ich fühle mich unbeschreiblich wohl. Nur Ruhe! In den Sessel zurückgelehnt, fasst mit der Rechten und Linken dankbar die Hände Amintas und Henrys: Nur Ruhe! Aaah - - - Aaah - - - Aaah! - - - Noch fühlte er sich gut. Wohl fragte er bei Strauss an wie es mit der Stimmung in Nazideutschland sei, wollte nicht zur Premiere (falls es die geben wird); Strauss schreibt polternd und unwirsch zurück, bagatelliesiert; Strauss Briefe werden abgefangen... Wie wars in der Oper? Nun die Philharmoniker (welche Oper in der Welt hat so ein Opernorchester?), der umsichtige Peter Schneider am Pult, Kurt Rydl, Michael Schade. Und doch es drückt nieder. Verstohlen sah ich manchmal auf die eingespielten Texte in den Leuchttafeln aden Rück- lehen der Sitze: Welche Wortgewalt und Freude oft! Und doch schon der stille Schatten der hoffnungslosen Nacht. --Ruhe--Ruhe-- //06-2009//02-2010// In der Zeit 1998, in der Welt 2007, bei Max Nyffeler 2002 und Peter Matussek 1992 und dem sehr regen Klassik-Forum [tamino-klassikforum.at] und die Bemerkungen Bernsteins und Goulds zum gemeinsamen BRAHMS Klavierkonzert Nr.1, 1962. Gould wird musikwissenschaftlich, anekdotisch und psychoanalytisch und kollegial achtungsvoll abgehandelt. Als Blitzlicht verbleibt vorerst das Seltsame an Glenn Gould, vielleicht auch liebevoll stilisiert, auch weil etwas über einen ausserordentlichen Menschen gesagt werden muss, denn seine Arbeit, sein Handwerk, seine Kunst entzieht sich zuerst dem sogenannten Geschmack und Verständnis. Goulds Übertragungen, auch die ausserhalb seines Labors, zeugen von seiner ausserordentlichen technischen Kunst: Vollendetes Timing, tiefes Erfassen, Wissen um Absichten, Bedingungen und: Wie aus einer flachen Oberfläche heraus sprudelt und hämmert es plötzlich furchtbar und in staccato und mit einer sagen- haften linken Hand! Auch wenn man nicht weiss dass das hier Glenn Gould ist, weiss man sofort hier spielt ein Wunder an Möglichkeit, beliebig grenzenlos. Man kann es dabei belassen und ihn zu den Virtuosen zählen, zum Zirkuspferd. Aber es gibt auch einen Arbeiter der sich im Labor von track zu track und auch innerhalb vorkämpft und will das Unmögliche der Interpretation schmieden, sozusagen dem Komponisten gerecht werden. Das macht ihn anders: Er schaut nicht (mehr) zum atemlosen Publikum, er sitzt in seinem Studio und feilt und entwickelt. Und es war auch seine Freude 250 Tage im Jahr in seinem Studio zu sein. //04-2009// In der Kontext-Suche Glenn Gould - Mozart bin ich auf das feine Blog [heideschwaetzer.de] gestossen. Der Blogger Pietro Tomasino hat das Interview Gould mit Bruno Monsaingeon formidabel übersetzt und damit noch deutlicher die Differenz zwischen Mozart und Gould aufgezeigt. Da man beide Namen in einem Satz aufführen kann (wer Gould maniriert und nur als Interpret einschätzt sollte nicht weiter lesen) und so erhebt sich die Frage warum Gould kein gutes Haar an Mozart lässt und sogar meint Mozart wäre zu spätt gestorben. Das ist ungeheuerlich! Helfen können nur die Tondokumente. Vergleich Gulda mit Gould oder Richter mit Gould: Interessant bei Richter der ungerührt in einem gefilmten Interview sein insgesamtes Unverständnis in Mozarts Absichten feststellte. Anders Gould der lauthals, am Rande der Diskriminierung, Mozart abschätzt und befriedigt das eher erfrischend Anspruchsvolle der Wiedergabe erwähnt. Was will Gould sagen? Seine unerhörten technischen Möglich- keiten herausstreichen? Jeder weiss dass Gould jenseits aller Artistik unerreichbar ist in seiner Ausdruckskraft und Ernsthaftigkeit. Seine Mozart-Interpretationen sind erschreckend. Er zeigt einen Mozart, nicht den mit der gepuderten Perücke im Zwischenreich des Rokoko, den willfährigen spielkranken Lebemann, sondern einen Mozart der Musik-Sprachen erfindet und sie dadurch macht. Mozart schliesst kalt- schnäuzig riesige Lücken, danach ist alles anders und man will ihn einreihen zwischen Haydn und Beethoven. Aber Mozart ist ein Zerstörer, ein Zertrümmerer der sich um nichts kümmert: Mozart setzt dort Musik wo sie noch nicht war. Er bewegt sich frei und seine Grenze ist er selbst. Gulda hat mit Mozart gerungen und zum Glück für uns wurden die Mozart tapes herausgegeben! Wie weit weg ist Gulda von Gould in seiner unbedingten Verehrung fur Mozart. Gulda hatte Skrupel bei Mozart, er kämpfte um das beste Ergebnis, wenige Werke hat er eingespielt, bzw. frei gegeben. Gould sieht das anders. Sein Gott heisst Bach, aber er weiss von der Freiheit und Neu- ordnung des Mozart, auch dass Mozart durch Krankheit und Umstände gegen Ende seines kurzen Lebens erpressbar geworden ist. Und er arbeitet die Mozart-Sonaten ab. Wer kann das besser? Vielleicht swingender, rührender, rührseliger, donnernder. Der Skeptiker Gould spielt die Noten vom täglich an den Tode denkenden Mozart, der Mozart der das Leben geniesst und darauf pfeift. //03-2009// 100 Jahr Geburtstag von Karajan Das erinnert mich an die Zeit in der Wiener Oper, an der er damals Direktor war. Wir waren Stehplatzbesucher; selbstverständlich standen wir bei seinen Vorstellungen die ganze Nacht davor an der Oper; junge Studenten übten sich im dirigieren, viele wollten so wie er werden. Ich kann mich an seine Tosca erinnern, mit der unvergleichlichen Tebaldi (ja ich weiss es gab den Wettstreit wer die größere Primadonna war: die Callas war entsetzlich in ihrer Gestaltung, wir ahnten, dass sie sich wie das schiere Leben bedingungslos verbrauchte...). Der große Tito Gobbi als Scarpia, ein Tenor namens Giuseppe Zampieri, leider nur melodiös. Karajan wurde nachgesagt, dass er die Sänger auf Händen trage, sie atmen liess usw. Bei seiner Tosca (ich sah alle seine Aufführungen) überschwemmte er das Haus mit einem Sound der an Wagner erinnerte. Nie mehr hörte ich Puccini so einprägend laut und ausdrucksstark. Er deckte die Sänger zu, nur manchmal war die herrliche Tebaldi zu geniessen. Karajan sah ich zweimal aus nächster Nähe und zwar im Burgtheater bei einer Premiere. Er schritt mit seiner jungen Frau die große Treppe herauf, er war erschreckend gutaussehend, eine geschlechts- lose Schönheit! Dann nochmal im Zuschauerraum wie er sich über die Hand einer (wichtigen?) Frau beugte. //03-2008// |